Mit dem 325ti in Hamburg, 2014. Foto: Roman Domes

Häufig ist es Musik, die mich an bestimmte Dinge erinnert, auch an Autos. Letztens habe ich das Album "A Thousand Nights" von Gregor Tresher wieder gefunden, eine LP, die untrennbar mit dem alten 3er verbunden ist. Es war die Musik, die 2010 und 2011 in meiner Playlist lief. The Now People, Full Range Madness, Painkiller. Tracks, die meine häufigen Fahrten von Nürnberg nach Leipzig und umgekehrt begleitet haben. 
Damals, als ich den 3er erst knapp ein Jahr hatte und noch ganz verliebt war in den nach wie vor großartigen Reihensechszylinder. Vor wenigen Tagen habe ich ihn verkauft. Nach zehn Jahren, was momentan einem Drittel meines Lebens entspricht. Schon lange irgendwie. Und natürlich gab es Dinge, die mir gut gefallen haben und Dinge, die mir weniger gut gefallen haben. Eine kleine Auswahl.
Grummeln, Schnurren, Grölen: M54B25
Auf der A9 genoss ich oft das kehlige Grummeln des Zwopunktfünf (Motorenkennung: M54B25) beim Cruisen. Noch lieber hörte ich mir aber das heisere Schreien beim Ausdrehen an, am liebsten im dritten und vierten Gang nach dem 100er-Tunnel nahe Bayreuth. Faszination Saugmotor.
Das Besondere am Sound - also früher wäre das natürlich ganz normal gewesen, heute ist es das nicht mehr: die akustische Vielfalt des Antriebs. Bassig, kehlig, grölend. Immer präsent, bei Drehzahlen über 5.000/min kommt ein kehliges Heulen dazu, und das ist schon recht laut, aber geil. Allerdings kam der Klang zu 90 Prozent aus dem Ansaugtrakt, der Auspuff blieb immer recht zurückhaltend.
Praktisches Package mit einer Prise Dynamik
Den 3er Compact baute BMW nur zwei Generationen lang, beim E36 (mein erstes Auto!) und eben beim E46. Damals, als es schreckliche Kisten wie den X2 noch nicht gab, war der 3er Compact der kleinste BMW, den man sich kaufen konnte - und der günstigste. Wobei man bei rund 56.000 Deutsche Mark Grundpreis im Jahr 2001 nicht wirklich von günstig sprechen sollte. Der inflationsbereingte Preis für einen 325ti betrüge heute ca. 37.000 Euro. Bei BMW gibt es dafür aktuell einen Basis-318d mit 150 PS.
Der Compact ist außerdem ein Hatchback mit weit öffnender Heckklappe. Bedeutet: Platz ohne Ende, zumindest mit umgeklappten Rücksitzen. Die waren im Normalfall auch nutzbar, auch wenn die Ausstattung für Fondpassagiere eher bescheiden war und kein Vergleich mit einer normalen 3er-Limousine. Dafür fuhr er dank der sportlichen Fahrwerksabstimmung und der steiferen Karosserie deutlich handlicher und sportlicher als der "normale" 3er. 
Im Vergleich zu modernen Autos wie dem Fiesta ST fühlt sich natürlich alles etwas pomadig und zäh an, aber anno 2001 war dieser 192 PS starke Kompakte schon eine Ansage in Richtung Audi S3, VW Golf GTI oder Mercedes C 230 Sportcoupé. Allein schon des Sechszylinders wegen.

Foto: Roman Domes

Altbacken, aber großartig: das Interieur
Klar, nach heutigen Maßstäben ist der Innenraum jedes BMW E46 eine Reise ins technische Mittelalter. Serienmäßiges Kassettendeck, pixelige Displays, ein - falls verbaut - völlig unbrauchbares Navi. Und trotzdem gehört dieses Interieur zum Besten, was ich in puncto Ergonomie jemals erlebt habe. Dieser Innenraum kommt völlig ohne Rätsel aus, außer vielleicht den Radiosender speichern. Qualitativ finde ich, dass der E46 die Baureihe E9X übertrifft und die erste Generation des 1er sowieso. 
Ein paar Dinge fallen mit der Zeit auf: Das Lenkrad ist groß, der Kranz hart - heutzutage fassen sich fast alle Lenkräder weich an, griffig. Die Sitze nannten sich damals "Sportsitze", sind jedoch viel zu weich gepolstert, was bei längeren Strecken irgendwann unangenehm wurde. Seitenhalt? Geht so. Flair? Lässiges oldschool. 
Das Getriebe? Nach 17 Jahren ziemlich ausgenoddelt, aber noch immer ein echter Quell der Freude. Den 325ti mit Automatik hätte ich direkt nach der Probefahrt mit "Neee, du, lass ma!" zurückgegeben. Nachteil der Handschaltung: Die fünf Vorwärtsgänge sind reeeeeelativ eng abgestuft. Bedeutet: Guter Durchzug, aber ein permanent hohes Drehzahlniveau, vor allem auf der Autobahn. Siehe Bild unten.

Foto: Roman Domes

Zehn Jahre, mehr als 100.000 Kilometer
Ich kann mich noch ganz genau an meine erste Probefahrt im heißen Sommer 2009 erinnern. Lange hatte ich nach einem 325ti gesucht, dann stand plötzlich einer auf dem Hof meines damaligen Händlers. Mit einer lächerlichen Handykamera nahm ich auf einem Parkplatz den Auspuffsound auf. Einen Tag später gehörte er mir, 48.000 Kilometer hatte er auf dem Tacho. Als ich ihn verkaufte, waren es knapp 165.000. In mehr als 100.000 Kilometern steckten auch eine Menge Erinnerungen. 
Mit dem 3er habe ich in Eckental gelebt, er ist mit mir in meine eigene Wohnung nach Nürnberg gezogen, hat mich zu meinem Praktikum (bei BMW) in Leipzig begleitet, er war mit mir fünf Jahre in Stuttgart, ich fuhr mit ihm nach Straßburg, Hamburg und Berlin, und als seine letzte große Aufgabe hat er zehn Fahrten für diverse Wohnungsbesichtigungen in München mitgemacht. 
In diesem Sinne: Danke, 325ti - und mach et jut!

Foto: Roman Domes

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